Wow, die Aktien von NEL asa (WKN: A0B733) kennen einfach kein Halten! Der langjährige Pennystock wird am 19. Februar in der Spitze mit fast 2 Mrd. Euro bewertet. Offenbar setzt sich in der Anlegerschaft immer mehr die Ansicht durch, dass NEL nicht nur ein dominanter Lieferant von großen Elektrolyseanlagen sein wird, sondern auch, dass die Nachfrage nach solchen Systemen zur Wasserstofferzeugung geradezu explodieren wird.

Ähnlich sieht es auch bei ITM Power (WKN: A0B57L) aus. Aber sind diese Hoffnungen berechtigt? Nun, daran, dass der Markt abheben wird, habe ich keine Zweifel. Aber wie groß das Kuchenstück von NEL sein wird, das ist alles andere als klar. Bereits vor einigen Tagen habe ich sieben ähnlich stark positionierte Wettbewerber vorgestellt. Hier sind vier weitere und was das für NEL und ITM-Aktionäre bedeutet.

Fünf Elektrolysespezialisten, die sich schon bald in den Vordergrund spielen könnten

H-Tec-Systems
Das zur GP Joule-Gruppe gehörende Augsburger Unternehmen will die Zukunft einer kommerziellen Wasserstoffwirtschaft aktiv mitgestalten und MAN Energy Solutions hat sich davon überzeugen lassen. Seit 2019 ist die Volkswagen (WKN: 766403)-Tochter als Investor mit an Bord und gemeinsam sind sie auch Mitglied im Wasserstoffbündnis Bayern. Man wolle gemeinsam „die Entwicklung von neuartigen PEM-Elektrolyseuren im Multimegawatt-Bereich maßgeblich vorantreiben“.

Im September stellte H-Tec ein Konzept für ein 10-Megawatt-PEM-System vor, das Wasserstoff für mehr als 50 Brennstoffzellenbusse produzieren kann. Kleinere Anlagen befinden sich bereits im Einsatz bei Windfarmbetreibern, etwa um Wasserstofftankstellen zu beliefern.

HydrogenPro und Tianjin Mainland Hydrogen Equipment (THE)
NELs inländischer Konkurrent nutzt die Elektrolysetechnologie der chinesischen THE, um Großanlagen zu bauen. Dabei setzt HydrogenPro auf alkalische Hochdruckwasserelektrolyse, wobei wie bei NEL Kapazitäten im Bereich von 100 Megawatt angepeilt werden. Die letzte Pressemeldung zu einem konkreten Projekt in Frankreich liegt allerdings zwei Jahre zurück, sodass das norwegische Unternehmen vermutlich nicht so vorangekommen ist wie erhofft.

Nichtsdestotrotz wird HydrogenPro bei der Konferenz Hydrogen + Fuel Cells EUROPE 2020 in Hannover ausstellen und THE ist ein valider Hersteller, der Mitte 2019 sogar eine Containeranlage nach Deutschland geliefert hatte und Linde (WKN: A2DSYC) und weitere bekannte Konzerne zu seinen Kunden zählt.

Giner ELX
Das amerikanische Unternehmen liefert nach eigenen Angaben die fortschrittlichsten PEM-Stacks an Kunden in aller Welt. Die Tochter der patentstarken Giner-Gruppe wurde 2017 gegründet, um sich ganz auf den Bereich Wasserstofferzeugung zu fokussieren. Im gleichen Jahr investierte der spanische Integrator H2B2 in Giner ELX, um die Industrialisierung zu beschleunigen. Heute produziert das Unternehmen auch komplette Containeranlagen mit bis zu einem Megawatt Leistung.

Mit Partnern wie Parker Hannifin (WKN: 855950) will Giner ELX in den Multimegawattbereich vorstoßen, um beispielsweise Überschussstrom von deutschen Offshore-Windparks kosteneffizient in grünen Wasserstoff zu wandeln.

thyssenkrupp
Das 2015 mit der italienischen De Nora gegründete Joint-Venture thyssenkrupp Uhde Chlorine Engineers gehört zu den führenden Anbietern der Chloralkalielektrolyse für die chemische Industrie. Das gebündelte langjährige Know-how wird seit einiger Zeit weiterentwickelt, um bei der Wasserstoffwirtschaft ein Wörtchen mitzureden. Ende Februar nimmt es auf einer Wasserstoffkonferenz in Tokio teil, um über die Sektorkopplung und die Produktion von grünen Chemikalien zu sprechen.

thyssenkrupp (WKN: 750000) kann einen großen Teil der Wertschöpfungskette abbilden und gibt sich überzeugt, dass schon bald ein marktfähiges Produkt präsentiert werden kann, das sowohl in der Anschaffung als auch im Betrieb günstiger als Konkurrenzlösungen ist.

Was das für NEL bedeutet

Bereits vor zwei bis drei Jahren gehörte NEL für mich zu den aussichtsreichsten Unternehmen rund um das Thema Wasserstoff. Seit ich auf diese Aktie gestoßen bin, hat mich die Zielstrebigkeit und die Fähigkeit, in großen Dimensionen zu denken, beeindruckt. Das Management hat starke Partnerschaften geschmiedet und hat die Industrialisierung der Fertigung maßgeblich vorangebracht.

Trotzdem sehe ich nur geringe nachhaltige Wettbewerbsvorteile, was genauso für ITM gilt. In diesem Markt kommt es nicht auf die Marke an und es gibt keine Netzwerk- oder Lock-in-Effekte. Selbst Bestandskunden können zum Kapazitätsausbau problemlos auf Konkurrenzware zurückgreifen. Wie bei Solarmodulen werden sich Einkäufer primär nach dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis umschauen.

Hinzu kommt, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht klar ist, ob die alkalische oder PEM-Elektrolyse, auf die NEL und ITM setzen, sich als dominante Technologie durchsetzen wird. Mit der Hochtemperaturelektrolyse gibt es bereits eine gefährliche Alternative und aus den weltweiten Forschungslabors ist regelmäßig von angeblichen Durchbrüchen mit anderen Ansätzen zu hören.

Aus Universitäten in Ulm und Korea werden beispielsweise Katalysatormaterialien gemeldet, die ohne teure Edelmetalle auskommen. In Israel behauptet eine Firma namens H2 Pro, dass sie eine neue Wasserspaltungstechnik entwickelt habe, die 30 % effizienter sei und gleichzeitig nur die halbe Investition benötigt. Investor und Brennstoffzellenvorreiter Hyundai Motor (WKN: 885647) sieht darin ein realistisches Potenzial, um zukünftig seine Autos günstiger betanken zu können. Auch an Wasserstoffbioreaktoren und einiges mehr ist zu denken.

Lange Rede kurzer Sinn: NEL und ITM Power sind gut positionierte Unternehmen im Elektrolysemarkt. Aber dieser steht erst am Anfang und bis in einigen Jahren das große Geschäft losgeht, könnte der Wettbewerbsvorsprung weg sein. Die aktuellen Kurse preisen dieses Risiko aus meiner Sicht nicht genug ein.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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