Am deutschen Aktienmarkt sind die Kurse zum Wochenausklang im Zuge der Corona-Krise in den roten Bereich gerutscht. Der Dax gab gegen Mittag um 0,52 Prozent auf 9521,37 Punkte nach. Der MDax für mittelgroße Unternehmen fiel um 0,59 Prozent auf 20 366,61 Punkte. Der EuroStoxx 50 verbuchte ein Minus von 0,89 Prozent.

Viele Marktteilnehmer seien sich nach wie vor unsicher über das Ausmaß der wirtschaftlichen Auswirkungen, schrieb Andreas Lipkow von der Comdirect-Bank in einem Kommentar. Dabei sieht Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners jedoch eine schrittweise Normalisierung an den Börsen. Abzulesen sei das vor allem an den Schwankungsturbulenzen: "Die Volatilitätsindizes haben sich auf weniger extremen Levels eingependelt", schrieb der Experte am Freitag.

Vier Monate nach Ausbruch der Covid-Pandemie sind mittlerweile weltweit mehr als eine Million Menschen mit dem lebensgefährlichen Virus infiziert. Damit wachsen auch die mit dem Virus verbundenen Rezessionssorgen. Die am Donnerstag vermeldete Zahl von 6,65 Millionen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe in den USA bedeutete eine Verdopplung zur Vorwoche, als der Wert schon Rekordhöhen erreicht hatte. Im Blickfeld steht nun der am Freitagnachmittag erwartete offizielle US-Arbeitsmarktbericht für den Monat März.

Bei all dem ist auch weiter unklar, wann sich das öffentliche Leben wieder normalisieren wird. Die Ungewissheit zwingt mehr und mehr Unternehmen dazu, sich offiziell von ihren Jahreszielen zu verabschieden. Dazu gehören nun auch der Konsumgüterkonzern Beiersdorf , der Handelsimmobilieninvestor Deutsche Euroshop und der Medienkonzern RTL . Bei Beiersdorf sanken die Erlöse im ersten Quartal bereits. Eigentlich wollte der Nivea-Hersteller in diesem Jahr bei den Erlösen aus eigener Kraft um 3 bis 5 Prozent wachsen. Die Aktie büßte am Vormittag knapp 1 Prozent ein.

Deutlich schlechter wurde die Absage an die Jahresziele und die Dividende dagegen bei RTL aufgenommen. Die Aktie sackte zum Handelsauftakt um mehr als 8 Prozent ab, und verringerte ihre Verluste später auf etwa 4 Prozent. Das erste Quartal habe noch weitgehend den Erwartungen entsprochen, hieß es am Vorabend. In den kommenden Monaten werden aber Stornierungen für Werbebuchungen und Verschiebungen von Produktionen die Ergebnisse belasten. Konkurrent ProSiebenSat.1 konnte sich der Talfahrt nicht ganz entziehen und verlor zuletzt ebenfalls rund 2 Prozent.

Abwärts ging es auch für die beiden Sportartikelhersteller Adidas und Puma . Adidas benötigt wegen der Corona-Krise frische Liquidität. Man werde Kredite brauchen, aber keine direkte Staatshilfe, sagte eine Sprecherin am Donnerstagabend. Die Aktie verlor am Dax-Ende gut 4 Prozent. Puma kündigte derweil eine Aussetzung der Dividende an. Zudem wird der Vorstand zunächst im April zu 100 Prozent auf seine Gehälter verzichten. Die Aktie gab ebenfalls um 4 Prozent nach.

Einer der größten Gewinner im Dax waren die Titel von Fresenius mit einem Aufschlag von rund 2 Prozent. Abgesehen davon, dass Pharmawerte am Freitag generell einen guten Lauf hatten, sprach sich Berenberg-Experte Tom Jones in einer jüngsten Studie erneut für den Kauf der Papiere aus. Grund sei unter anderem das neue Krankenhausentlastungsgesetz, das den Betreibern einen finanziellen Ausgleich für verschobene planbare Operationen und Behandlungen zukommen lässt.

Im MDax ging es daneben für die Aktien des Chemiekonzerns Evonik aufwärts. Nach einem positiven Signal des Bankhauses Metzler legten sie in der Spitze um 5 und zuletzt dann um 1,4 Prozent zu. Die Experten nahmen die Aktie des Unternehmens in ihre "Top Ten Liste" auf und trauen ihnen ein Kursziel von 44 Euro zu. Sie setzen vor allem auf die Bereiche Nutrition & Care mit Produkten zur Anwendungen in Konsumgütern des täglichen Bedarfs und Resource Efficiency. Hier bietet Evonik Materialien für umweltfreundliche und energieeffiziente Systemlösungen.

Unter den Nebenwerten war der Online-Arzneimittelhändler Shop Apotheke erneut besonders gefragt. Das Unternehmen profitiert in der Corona-Krise von hohen Bestellungen und wird für das Jahr etwas zuversichtlicher. Schon die Monate Januar und Februar seien sehr stark gewesen, hieß es am Freitag. Der Corona-Ausbruch habe dann im März einen weiteren Wachstumsschub verursacht. Den Jahresumsatz erwartet das Unternehmen nun mindestens 20 Prozent über dem Vorjahr, vorher war ein Anstieg um rund 20 Prozent angepeilt. Die Aktie gewann zuletzt gut 7 Prozent dazu./kro/stk

 ISIN  DE0008469008  EU0009658145  DE0008467416

AXC0184 2020-04-03/12:00

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