Die Börsenweisheit „Sell in May – and go away!“ resultiert genau aus dieser Bredouille, dass Anleger früher vor den Zeiten von Handy und Internet in der Urlaubssaison unter Umständen wochenlang vom Informationsfluss ihres Depots abgeschnitten waren und deshalb lieber Positionen glattstellten, als nichts ahnend im Urlaub auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

Heutzutage kann man sein Depot zwar meist ohne Probleme auch im Urlaub im Blick behalten. Nach der Kursrallye der letzten Wochen schadet es jedoch nichts, sein Depot grundsätzlich auf den Prüfstand zu stellen und das Risiko gegebenenfalls etwas zu reduzieren oder zumindest wieder gleichmäßiger zu verteilen. Manche Position hat vielleicht durch enorme Zugewinne etwas Übermacht im Depot bekommen und kann zurechtgestutzt werden.

Welche Positionen sollen langfristig gehalten werden? Inwieweit ist ein vorübergehender Kursrückgang hinnehmbar? Wie viel Verlust würde man im Einzelfall aushalten? Wer sich diese Fragen im Vorfeld beantwortet und sein Depot danach ausrichtet, kann entspannt in den Urlaub fahren.

Für einzelne Wertpapiere können dann nämlich Stop-Loss-Orders gesetzt werden. So lässt sich in der Regel der Großteil der Gewinne absichern. Eine Stop-Loss-Order ist ein Verkaufsauftrag, der ausgeführt wird, wenn ein vorher festgelegter Kurs unterschritten wird. Der Auftrag kann für einen längeren Zeitraum gelten, zum Beispiel für zwei Wochen oder bis Monatsende. Wichtig dabei: Falls die Order greift, wird zum nächstmöglichen Kurs verkauft. Das muss nicht der vorher festgelegte sein. Fällt ein Kurs sehr schnell, kann der Verkaufspreis deutlich unter der Stop-Loss-Marke liegen.

Wichtig ist zudem, beim Festlegen der Untergrenze immer die maximale Schwankungsbreite des jeweiligen Wertpapiers zu beachten. Also, um wie viel Prozent legt der Wert üblicherweise kurzfristig zu und wie viel Prozent verliert er? Wird die Stopp-Loss-Marke zu eng an den Kurs gesetzt, wird das Papier vielleicht verkauft, obwohl das so gar nicht gewollt war.

Unser Rat: Stop-Loss-Orders gehören zum Handwerkszeug eines Anlegers, denn Kapitalerhalt steht immer im Vordergrund. Verluste ohne Limit laufen zu lassen ist keine gute Idee. Und Gewinnabsicherung auf hohem Niveau verhindert Frust, wenn es anders kommt als erwartet. Alternativ zum klassischen Stop-Loss arbeiten manche Anleger auch mit sogenannten Trailing-Stop-Orders. Hierbei wird kein fester Kurs als Untergrenze definiert, sondern eine prozentuale Grenze, die der Kurs nicht unterschreiten soll. Jedem das Seine.

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