Es kommt einem ein wenig so vor wie der Baum, der kurz vor seinem Absterben auch noch einmal richtig viele Früchte produziert. So steigen die Börsen und die Gewinne im Angesicht der Risiken. Jeder kennt die Risiken, wartet auf den Absturz – aber keiner will der erste sein, der zuckt. Denn möglicherweise verdienen die anderen dann mehr als man selbst – das wäre ja unangenehm. Was den Börsen derzeit fehlt ist eine Risikoehrlichkeit.

Mehr als politische Risken

Die weltweiten Risiken beschränken sich ja nicht auf die politischen Risiken in den USA, in der Türkei oder in Russland. Oder in Nordkorea, Italien oder Großbritannien. Nicht erst seit dem Ausbruch des Coronavirus zeigt die Weltwirtschaft Schwäche, tendieren einige Frühindikatoren nach unten. Risikoehrlich wäre es heute zu sagen, dass vielleicht einmal erste Schutzmaßnahmen getroffen werden sollten. Portfolios – private wie institutionelle – lassen sich je nach Risikoneigung absichern.

Absicherung kost’ fast nix

Das ist derzeit zudem erstaunlich günstig, denn auch die Volatilität pendelt auf einem niedrigen Stand. Und die Volatilität ist eine der wesentlichen Bemessungsgrößen für Derivate, mit denen Portfoliosicherung betrieben werden kann. Und ja, vielleicht führt eine Absicherung dazu, dass nicht mehr das letzte Quäntchen Rendite mitgenommen wird, dass man nicht zu den absoluten Top-Verdienern gehört. Aber für das eigene Portfolio wie noch viel mehr für das von anderen anvertraute Geld, ist es schon eine gehörige Portion Verantwortung, die da drückt.

Die Kunst der Veranlagung

Diese Verantwortung zu spüren, das ist die Kunst eines guten Investors und Vermögensverwalters. Dieser Verantwortung auch nachzugeben ist zugegebenermaßen schwierig. Denn es bedeutet, dass man möglicherweise auf Rendite verzichtet, die einem selbst oder seinen Kunden bestimmt gut gefiele. Aufhören, wenn es am Schönsten ist, das gilt nicht nur für Politikerkarrieren, das kann auch an der Börse ein guter Weg sein.

Dabei aber ist nicht angesagt, jetzt vollständig aus allen Risiko-Assets auszusteigen. Noch immer treibt die Herde den Trend, noch immer steht billiges Geld zur Verfügung, noch immer wollen die Notenbanken jede Art von Crash, Einbruch oder auch nur Delle verhindern. Und solange das noch so weitergeht, lässt sich auch an der Börse gutes Geld verdienen. Eine Absicherung ist dabei lediglich der Schritt, der die bis jetzt erreichten Gewinne sichert.

Und eines noch: wer jetzt bei niedriger Volatilität mit Derivaten absichert, kann sich womöglich auch ohne Crash über Kursgewinne freuen, wenn einfach nur die Schwankungsintensität der Märkte wieder anzieht. Und dann wäre aus der Absicherung sogar ein Renditeturbo geworden.

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