BEATRICE: Erstmal herzliche Gratulation zum Weltmeistertitel. Wie ist das abgelaufen und wie habt ihr Euch darauf vorbereitet?

Lucca: 7 Jahre lang eigentlich, denn begonnen hatte die Reise bei den Weltmeisterschaften 2015. Wir wurden damals spontan Vizeweltmeister, also von Null auf fast hundert. Bei diesen Meisterschaften werden Punkte unter anderem für Technik, Originalität und auf Präsentation vergeben. Wir hätten 2015 vielleicht sogar schon gewonnen, wenn die Jury von Anfang an gewusst hätte, dass wir eben keine versteckten elektronischen Hilfsmittel verwenden. Denn davon sind sie ausgegangen, weil unsere Vorführung so unglaublich und unmöglich erschien. Aber als wir gezeigt haben, dass wir keine elektronischen Hilfsmittel verwenden – da waren die Preise praktisch schon vergeben, denn es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Die Jury hat uns erst nach unserem Auftritt zu einer kleinen Sitzung eingeladen. Da waren nur der Jury Präsident und zwei Vertreter der Weltorganisation FISM. Sie haben uns gefragt, wie wir das gemacht haben. Dies haben wir dann so weit erklärt, bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Präsident gesagt hat: „Ok, ich verstehe jetzt - es ist möglich“. Seit damals ist er einer unserer größten Fans.

Anca: Dieser Test, dass wir beweisen mussten nicht zu schummeln, hat uns inspiriert zu dem Versprechen, mit dem wir jede Show beginnen: „Keine technischen Hilfsmittel, keine Helfer und keine vorherigen Absprachen“. Das One Million Dollar Versprechen, nennen wir es auf unserer Homepage. Wir hatten schon vorher diesen Anspruch aber seit damals verwenden wir es quasi als Disclaimer.

BEATRICE: Das heißt, wenn jemand Euch bei den Shows nachweisen kann, dass ihr geheime Helfer, Absprachen oder elektronische Hilfsmittel verwendet, erhält derjenige 1 Million US-Dollar?

Lucca: Ja, (lacht) zumindest, würden wir es dieser Person schulden. Doch da es nicht so ist, kann ich ruhig schlafen.

Anca: Ja, wir spielen sowohl auf großen Bühnen vor Tausenden oder unplugged vor kleinen Gruppen im Salon. Aber immer ohne derart einfache Erklärungen. Zudem ist unsere Bühnenausstattung relativ überschaubar. Unplugged nennen wir es – live and direkt ohne viel Requisiten auf der Bühne. So kann man uns fast jederzeit irgendwohin stellen und wir können sofort mit der Vorführung beginnen.

Lucca: Und genau das ist uns auch jetzt kürzlich in Vannes (FR) passiert. Unser Flug kam ohne Gepäck an, d.h. unser Koffer mit den Utensilien für den gesamten Auftritt war nicht da. Wir hatten nur das Handgepäck mit dem roten Kleid von Anca. Spontan haben wir Gegenstände, wie die Augenbinde etc. nach dem Soundcheck in der Stadt besorgt und hatten am Abend großen Applaus für einen unterhaltsamen Abend. Wir reduzierten diesen Act einfach auf das wirklich wesentliche und die Leute haben es genoßen.

BEATRICE: Wann hast Du entschlossen Magier zu werden?

Lucca: Im Jahre 1542 (lacht). Nein, Im Alter von 20 Jahren habe ich mir den ersten Zauberkasten gekauft - das hat mich dann nicht wieder losgelassen.

BEATRICE: Kann man erklären, was Mentalmagie genau ist?

Lucca: Aja in längerer Form kann man dies in meinem Buch “Die Kunst des Staunens” nachlesen. In Kurzform: Mentalmagie ist eine Sparte der Zauberei, so wie Langlauf eine Sparte des Skifahrens ist. Wir arbeiten mit allen Tricks und Techniken, die ein normaler Magier zur Verfügung hat. In der Mentalmagie gibt es aber auch einige zusätzliche Geheimnisse. Aber es ist eine verschwommene Grenze, auch David Copperfield zeigt in seinen Shows einige Mentalmagieeffekte. Meine Definition von Magie: Zauberei und Magie sind eine Unterhaltungsform, die Methoden verwendet um die Zuschauer derart zu täuschen, dass in der Vorstellungskraft der Zuseher, eine Illusion entsteht.

BEATRICE: Kann man diese Fähigkeit der Gedankenübermittlung lernen?

Anca: Eigentlich schon - denn man muss keine speziellen Vorkenntnisse oder irgendeine Gabe haben. Ich habe davor eine Karriere in der Finanzwelt in London gemacht und hatte keinerlei Erfahrung in Mentalmagie.

Lucca: Für den technischen Part braucht man ein gewisses Talent, denn es ist sehr viel Gedankenarbeit notwendig und für den Präsentation sind schauspielerische Fähigkeiten erforderlich. Aber prinzipiell kann dies jeder Mensch lernen, genauso wie Klavier spielen oder Billard spielen.

BEATRICE: Wie darf man sich die Arbeit für neue Nummern im Programm vorstellen?

Lucca: Meist steht eine Idee am Beginn, die wir gemeinsam weiterentwickeln. Ich spiele z.B. privat gerne Schach. So hatte ich auf Grund der derzeitigen Situation mit den öffentlichen Diskussionen um Manipulation bei den Schachmeisterschaften, die Idee eines Schachspiels gegen einen Schachmeister, wobei wir ansagen, dass wir schummeln werden, Ich habe die Idee mit Anca geteilt und spontan hat sie hat sofort begonnen Details zu überdenken. So soll Anca mit verbundenen Augen gegen einen Schachmeister spielen und ich würde mit Hilfe eines Computers Anca ihren nächsten Züge mitteilen. Allerdings ohne ein einziges Wort, nur durch Gedankenkraft und unser Ziel ist natürlich, dass Anca gewinnt. Nächste Woche haben wir das erste Treffen mit einem interessierten Schachmeister.

BEATRICE: Wie habt Ihr einander kennen gelernt und seit wann seid Ihr ein Paar?

Anca: Wir sind seit 11 Jahren zusammen und seit 10 Jahren verheiratet. Am Anfang wusste ich nichts über Magie. Es klingt vielleicht komisch, aber ich hatte wirklich keine Ahnung, dass Magie überhaupt existiert, bevor ich Lucca traf. Das finde ich auch schön, weil alles mit Lucca für mich begonnen hat. Meiner Meinung haben wir uns gegenseitig beeinflusst. Und für mich war es eine positive Entwicklung, weil ich mit meiner beruflichen Karriere in London nicht wirklich zufrieden war. Ich war zwar erfolgreich und habe gut verdient, aber eine künstlerische Arbeit hätte mich mehr interessiert. Ich habe schon als Kind mit dem Tanzen begonnen und war immer auf der Bühne. Das war immer eines meiner Hobbies. Als dann Lucca in mein Leben trat, dachte ich mit Magie könnte ich zum ersten Mal meine beiden Leidenschaften zusammenbringen: Theater und Mathematik.

BEATRICE: Mentalmagie- funktioniert das im privaten Bereich dann auch, dass Du immer weißt, was Sie denkt und umgekehrt?

Lucca: Da muss ich jetzt alle enttäuschen. Wir sind füreinander als Mann und Frau, privat nach wie vor, genauso ein Rätsel, wie alle anderen Paare auch. Ja, ich kann zwar ihre Gedanken lesen, aber ich versteh trotzdem nicht, warum sie so denkt.

Anca (lacht): Ja das stimmt. Unser Schauspieltrainer hat uns beobachtet und er gesagt: Ich sehe euch als Paar und als Marke und ich kann nicht verstehen, wie das auf der Bühne funktioniert. Denn als Paar, seid ihr genau wie alle Paare.

Lucca: Auf der Bühne arbeiten wir aber mit diesem dualen Zugang zur Magie. Ich repräsentiere den männlichen, nüchternen Zugang zum Thema, derjenige, der sagt: “Meine Damen und Herren, alles ist erklärbar.” Und Anca ist der intuitive Part, sie muss alles fühlen und spüren. Am Ende der Show geben wir dann zu, dass wir natürlich die ganze Zeit zusammengearbeitet haben und das es auf der auf der Bühne, wie im wahren Leben ist. Nur die Kombination aus Ratio und Gefühl lässt wahre Magie entstehen. Das zeigen wir in unserer Show.

BEATRICE: Euer aktuelles Programm heißt “Salonmagie”. Was kann man sich darunter vorstellen?

Anca: Wir haben zwei Vorstellungen am Tag, hier im Park Hyatt Vienna für jeweils ca. 50 Personen, in der Tradition der “Salonmagie” - sozusagen Unplugged.

Lucca: Salonmagie hat den Ursprung in Wien und Paris des 19. Jahrhundert. Im Biedermeier wurden regelmäßig Salon- Partys von Adeligen veranstaltet und für die Unterhaltung der Gäste sorgten Zauberer mit ihren Tricks. Dies war die Geburtsstunde der Magie-Shows. Man kann einen Magier bei dieser Art Vorstellung hautnah erleben. Mit uns kann man dies auch erleben, wenn man uns für Auftritte bei Firmenfeiern bucht. Wir können dann unsere Illusionen sogar individuell anpassen. Wir arbeiten nämlich sehr viel mit Buchstaben, Zahlen und Wörtern, die man natürlich dem Event entsprechend anpassen kann. Anfragen bitte an das Management (lacht).

Anca: Mein Traum ist es, die Salonmagie mit ihrer Tradition, die ursprünglich aus Wien kommt, wiederzubeleben.

BEATRICE: Wir danken für das Gespräch.