22. Mai 2019. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Verschiebung der Autozölle in die gefühlte Ferne hat Optimismus in den Markt gepumpt, wobei nicht alle sogleich Gewinne

mitgenommen haben.

Vordergründig reichte eine positive Nachricht am vergangenen Donnerstag dafür aus, dass sich die Optimisten, die sich gegen die damalige Marktbewegung gestellt hatten,

belohnen konnten. Die Rede ist von der Verschiebung der US-Strafzölle auf Fahrzeugimporte um bis zu 180 Tage seitens der Trump-Administration. Eine Nachricht, die sich für

manche Akteure geradezu wohltuend vom negativen Informationsstrom abhob, der während unserer vergangenen Stimmungserhebung vorgeherrscht hatte.

Jetzt ist es nicht so, dass diese Verschiebung der US-Importzölle nicht von den meisten Lobbyisten der Auto-Industrie erwartet worden wäre. Auch ist das Problem damit längst

nicht vom Tisch; es ist einfach nur in die Zukunft verschoben worden. Genauso wie die jüngsten Maßnahmen im Handelsstreit zwischen den USA und China erst in ein paar Wochen

fühlbar zutage treten werden. Aber weil diese negativen Folgen in ihrem Ausmaß bislang völlig ungewiss sind und im Falle der Autozölle einfach nur von der Gegenwart in die

Zukunft verschoben wurden, also noch weit weg sind, wurden sie von den Börsianern mental in ihrer Bedeutung stark abgewertet. Die Folge: ein Kurssprung der Aktienmärkte dies-

und jenseits des Atlantiks.

Die heutige Stimmungsumfrage zeigt jedoch, dass der Kurssprung von 1,7 Prozent stichtagsbezogen - im Extrem war der DAX seit der vorherigen Erhebung sogar zeitweise um 3

Prozent gestiegen - offenbar nicht ausgereicht hat, damit sich unsere institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont tatsächlich vollumfänglich belohnen

konnten. Denn der Börse Frankfurt Sentiment Index ist gegenüber der Vorwoche gerade einmal um 10 Punkte auf einen Stand von +9 Punkte gefallen. Damit hat ziemlich genau nur

die Hälfte der Optimisten vom vergangenen Mittwoch ihre Gewinne tatsächlich auch mitgenommen. Die andere Hälfte wartet anscheinend immer noch auf höhere Indexstände des DAX -

angesichts der Größe des Kurssprungs aus der vergangenen Woche stellt diese Hoffnung eine gewisse Überraschung dar. Wir hätten jedenfalls deutlichere Gewinnmitnahmen

erwartet.

Stimmung fast schon relativ normal

Eine deutliche Tendenz zu Gewinnmitnahmen gab es indes für die vergleichsweise wenigen Bullen der Vorwoche unter den Privatanlegern. Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index

dieser Anlegergruppe ist wieder um 6 Punkte zurückgefallen, auf einen Stand von nunmehr -8 Punkte. Mit anderen Worten: Die im Vergleich zu den institutionellen Pendants

geringe Gruppe von Mutigen hat geschlossen ihre Gewinne realisiert.

Jedenfalls haben sich mit der heutigen Befragung die belastenden Faktoren für den DAX aus der Vorwoche deutlich verringert. Auch die große Stimmungskluft zwischen

institutionellen und privaten Investoren ist etwas kleiner geworden. Allerdings ist der Kurssprung vom vergangenen Donnerstag per Saldo vermutlich nicht einmal auf heimische

Akteure zurückzuführen. Denn unsere Investoren waren bereits im Vorfeld deutlich als Käufer positioniert. Deswegen ist es gut möglich, dass ausländisches Kapital bei besagtem

Sprung mitgeholfen hat.

Absolut betrachtet ist der Optimismus der institutionellen Akteure mit der heutigen Befragung auf ein vergleichsweise weniger gefährliches Niveau gesunken. Zumal der

Sentiment-Index dieser Gruppe in der Sechs-Monatsbetrachtung ziemlich genau auf seinem Mittelwert liegt und deswegen die Börsenstimmung in der relativen Sichtweise als

neutral eingestuft werden kann. Deswegen spricht viel für eine Konsolidierung des Börsenbarometers, wobei das Verkaufsinteresse der verbliebenen Optimisten an der Oberseite

in der Nähe von 12.350/12.400 liegt, und die wahrscheinliche Nachfrage im Falle eines größeren Rücksetzers unterhalb der Tiefs der jüngsten Korrektur (ca. 11.800/11.850)

auftreten dürfte.

22. Mai 2019, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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