Folgen der Zinserhöhung schwer abschätzbar

Die dritte Leitzinserhöhung in 2022 muss nicht die letzte bleiben, mit der die Politik Einfluss auf die Inflation nehmen möchte. Inwieweit der Sprung von 0,0 Prozent auf 2,0 Prozent binnen weniger Monate zur Aufwertung des Euros und einem neuen Interesse an Euro-Anlagen weckt, bleibt abzuwarten. Schließlich hat die aktuelle, wirtschaftliche Situation diverse Einflussfaktoren.

Zum einen sind aktuelle Prognosen zur politischen Lage in Russland und der Ukraine kaum möglich. Die Handelspreise im Sektor Energie waren bereits vor dem Ukrainekrieg auf hohem Niveau, viele Branchen haben weiterhin mit den Corona-Folgen zu kämpfen.

Unter diesen Umständen ist Mut für neue Investitionen nötig, der durch die Zinserhöhungen ausgebremst werden könnte. Für europäische Anleger ist dies ein zweischneidiges Schwert. Klassische Anlageprodukte werden durch die Zinserhöhungen deutlich interessanter, werden sich die Kreditaufnahme verteuert.

Die Folgen für den Immobilienmarkt

Im letzten Jahrzehnt waren Immobilien zur Anlage und Eigennutzung gefragt und vergleichsweise einfach zu finanzieren. Durch das niedrige Zinsniveau konnten Interessenten einfacher an Kredite kommen, was sich in den steigenden Preisen für Immobilien aller Art widerspiegelte. Dieser Trend ist gebrochen und dürfte in den kommenden Monaten und Jahren in eine grundlegend andere Richtung zeigen.

Wie eine Analyse der aktuellen Bauzinsen andeutet, sind Werte an die 4,0 % für ein Baufinanzierung Ende 2022 keine Seltenheit. Banken werden zudem genauer auf die Sicherheiten eines Antragstellers schauen, bevor der Kredit gewährt wird. Sich aktuell für eine Baufinanzierung zu entscheiden, kann höchstens vor höheren Zinsen bewahren, die durch weitere Anhebungen des Leitzinses entstehen könnten.

Bleibt die Investition in Immobilien weiterhin reizvoll?

Nur bei wenigen Interessenten an einer privaten Wohnimmobilie dürften die Zinserhöhungen gänzlich den Kauf von Wohneigentum beeinflussen. Hier gilt es eher, die Marktlage genauer zu sondieren und in einem kleineren Rahmen zu planen. Wichtig ist, die eigene Kreditwürdigkeit realistisch abzuschätzen und einen Kreditrahmen zu finden, der sich auch bei steigenden Lebenshaltungskosten sicher einhalten lässt.

Für Eigentümer mit Verkaufseinsicht dürfte die Erkenntnis sein, dass das bislang erreichte Preisniveau für Immobilien keinen Bestand mehr hat. Etwas niedriger beim Preis anzusetzen und somit auf die Marktentwicklungen einzugehen, dürfte schneller und sicherer zum erhofften Interesse führen.

Für potenzielle Käufer und Kreditnehmer ist ratsam, einen genaueren Blick auf die vorhandenen Sicherheiten zu werfen. Wertpapiere und andere Besitztümer können neben Faktoren wie dem Schufa-Eintrag und dem eingeräumten Grundpfandrecht für bessere Kreditkonditionen sorgen. Diese werden schließlich weiterhin individuell ermittelt.

Vergleich in allen Finanzbereichen entscheidend

Wie gedämpft die Stimmung ist, lässt sich beim aktuellen Börsenhandel und vielen fondsgebundenen Finanzprodukten entdecken. Hier gilt wie beim Kreditabschluss: Ein Vergleich mit Sinn und Verstand ist wichtiger denn je. Nur weil das generelle Zinsniveau steigt, endet nicht der Wettbewerb zwischen Banken und Kreditinstituten. Bevor voreilig ein unnötig teurer Immobilienkredit unterzeichnet wird, lässt sich mit einer individuellen Marktanalyse die bessere Wahl treffen.