Aktienpapiere, Kurswerte, Dividenden: Was früher für Fragezeichen und Unverständnis bei der jüngeren Zielgruppe sorgte, gehört heute zum Standard-Know-how in Foren und Social-Media-Plattformen. Finfluencer und Fintech-Unternehmen wissen, wie sie die Zielgruppe mit ihrem digitalen Auftritt und coolem Imagebrand abholen. Unkompliziert, easy, zeitgemäß. Alles, was Sparkassen oder klassische Banken in den vergangenen Jahren falsch machten, wollen die hippen Unternehmen korrigieren.

Ein Vorhaben, das sich aufgrund der starken Entwicklung von Kryptowährungen als gute Strategie erwies. Immer neue Möglichkeiten entstehen, um Bitcoins & Co. zu traden. Über Handelsplattformen wie Bitcoineer DE werden userfreundliche Tools zur Verfügung gestellt, die Laien und Experten gleichermaßen anwenden können. Andere Kryptobörsen wie eToro bieten sich als Vergleichsplattform an, um steigende oder fallende Kurswerte im Blick zu behalten. Die Möglichkeiten, sich mit Kryptowährung intensiv zu beschäftigen, sind zahllos.

Selbst Online-Banken wie N26 schafften es in kürzester Zeit, mit einem vergleichsweise klassischen Angebot, internationale Kunden in Millionenhöhe zu akquirieren. Allerdings scheint das Ziel größer zu sein als die Nachfrage am Markt. Erste Fintech-Unternehmen müssen sich der harten Realität des Marktes stellen.

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Nuri meldet Insolvenz an

Hart traf es jüngst das Berliner Unternehmen Nuri. Die Kryptobank aus der Hauptstadt stellte sich Anfang August 2022 ihren bitteren Ergebnissen und musste den Schritt ins Insolvenzverfahren gehen. Grund für die unternehmerische Pleite sind die Nachwirkungen der vergangenen zwei Jahre, die jeden Wirtschaftszweig vor extreme Herausforderungen stellte, sowie die Unsicherheiten in Deutschland gegenüber dem Thema Kryptowährung.

Trotz des vorläufigen Aus und der Handlungsunfähigkeit des Unternehmens wollen Geschäftsführung und Mitarbeiter an ihrer Idee festhalten. Nach einer umfangreichen Sanierung sollen weitere Ideen und Konzepte umgesetzt werden. Die knapp 500.000 Kunden dürfte dieser Plan nur bedingt beruhigen.

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Finanzierungsrunden abgebremst

Neben den bekannten Schwierigkeiten, die es zu meistern galt, stellt sich allen Fintechs eine weitaus kompliziertere Hürde in den Weg. Finanzrunden und das Eintreiben von liquiden Mitteln wird bei Banken und Geldgebern zum Drahtseilakt. Die Ungewissheit, wie sich das Verhältnis zur Kryptowährung entwickeln wird, ist schlichtweg zu groß. Zudem sorgt die Inflation für ein Umdenken in Sachen Finanzierung und Anlageideen. Die Zinswende lässt Anleger, die sich auf die starken Kursschwankungen zudem nicht einlassen möchten, vorsichtiger werden. Das Vertrauen in altbewährtes Geld nimmt wieder zu.

Der strauchelnde Fintech-Markt wird sich in den kommenden Monaten auf eine große Welle von Sparrunden einstellen müssen. Auch international ist das Zittern vor dem Ende des Goldrauschs deutlich zu spüren. Broker wie Trade Republic haben Personalminimierung angekündigt, die früher oder später durchgesetzt werden müssen. Eine Ansage, die nicht nur beim Personal für unangenehme Wochen sorgen wird.

Der Fintech-Boom ebbt ab, daran besteht kein Zweifel. Dennoch sollten Zweifler und Kritiker, die das Ende bereits ahnten, mit künftigen Negativ-Prognosen vorsichtig sein. Wenn sich die weltpolitische Lage und die Situation am Finanzmarkt wieder entspannt, bleibt weiterhin eine große Chance für neue Konzepte. Denn trotz aller Hürden wird die Zukunft kommen und ein notwendiges Umdenken unausweichlich sein!