Ich bin mitnichten nicht der Einzige gewesen, der in den vergangenen Monaten auf die problematischen Auswirkungen der politischen Verhaltensweise hingewiesen hat. Leider nicht in der Tagespresse. Mehrere Versuche scheiterten unbeantwortet. Aber, dass eine explodierende Geldmenge, bei gleichzeitig Null-Zinsen inflationäre Gefahren darstellen, ist eine Tatsache. Mitte Mai 2021 mehren sich nun diese Hinweise in der Tagespresse. „Getreidehändler sehen historischen Preisanstieg“, „Baustoffmangel: Auf vielen Baustellen droht Stillstand“ oder „Rallye bei Rohstoffen treibt Kosten der Energiewende“ lauten jetzt die Überschriften. Nun sind steigende Preise zunächst ein Zeichen, dass die Wirtschaft läuft. Wenn die Inflation aber dauerhaft über drei Prozent liegt, dann sind die Geldwertverluste vorprogrammiert. 100.000 Euro haben dann in 2030 nur noch eine Kaufkraft von 73.700 Euro bei vier Prozent Inflation nur noch 66.500 Euro. Cash als Daueranlage ist also kein Trumpf mehr.

Wer als Kapitalanleger bei Rohstoffaktien erst jetzt reagiert, hat einen Teil des Anstiegs schon verpasst. Die Preise sind 30 bis 50 Prozent geklettert. Soll er jetzt noch „nachspringen“? Wie werden sich diese Entwicklungen mittelfristig auswirken? Wenn der Lockdown immer weiter zurückgenommen wird und es keine Rückschläge gibt, dürften sich Engpässe, die teilweise auch zum Preisanstieg beigetragen haben, wieder normalisieren und damit sich auch einige extreme Preissteigerungen (Baumaterialen zwischen 50 und 100 Prozent) zurückbilden. Aber die Preise wie noch im Sommer 2020 werden wahrscheinlich nicht wieder erreicht. Mit der dann auch anzunehmenden Auflösung des Konsumstaus dürfte eine weitere Preissteigerungswelle auf uns zukommen, wenn auch in anderen Bereichen (es wird geschoppt statt renoviert). Aber die Nachfrage wird auf ein geringeres Angebot treffen, denn etliche Geschäfte werden das Ende der Staatshilfen nicht „überleben“.

Entscheidend wird jetzt sein, wie die Zinsmärkte auf die zukünftigen Entwicklungen reagieren. Der deutsche 10-Jahreszins ist schon um 0,5 Prozent geklettert, der amerikanische sogar um über ein Prozent. Was für Anleger ein Hoffnungsschimmer sein kann, wird für die Kapitalmärkte ab einem nicht berechenbaren Zinssatz zur Gefahrenquelle. Aber nicht nur die Aktienmärkte würden Federn lassen, auch die Immobilienmärkte kommen ins Schleudern. Je höher die Zinsen steigen, umso höher die Einbrüche. Ich hatte bereits Ende 2019 (also vor der Pandemie) auf die Zins-Risiken hingewiesen. Heute schon über die Ausmaße zu philosophieren ist unmöglich, das heißt die Fehlerquote ist ohne konkrete Trends zu hoch. Aber es gilt, das Vermögen auf eventuelle negative Entwicklungen vorzubereiten.

Ein Fels in der Brandung werden dann wohl die Edelmetalle sein. Mit der Zunahme der Staatsverschuldungen, die mit Corona noch eine kräftige Beschleunigung erfahren hat, empfehle ich seit 2016 einen bis zu 20prozentigen Anteil von Gold und Silber. Beide haben im Mai 2021 ihren korrektiven Abwärtstrend verlassen und steigen derzeit unter Schwankungen kontinuierlich an. Sollte der Anstieg der Inflation und damit der Zinsen in Grenzen gehalten werden können, dürften die Edelmetall-Preise auf 2.500 bis 3.000 Dollar bzw. 37 bis 50 Dollar steigen. Sollten die Bemühungen scheitern, sind noch höhere Kurse keine Utopie.

Man stelle sich vor, wenn Aktien- und Immobilienmärkte schwächeln und die Zinsen unter den Inflationsraten bleiben, welche Volumen auf die relativ „kleinen“ Edelmetallmärkte zukommen. Wenn bei kräftig steigender Inflation auch die Zinsen kräftig mitsteigen, ist das kein Negativargument für Edelmetalle (sie zahlen bekanntlich keine Zinsen), sondern ein Pro-Argument. Denn diese Zinsentwicklung würde die Wirtschaft massiv negativ beeinflussen, die Staaten müssten sich noch mehr verschulden (um die höheren Schuldzinsen zu bezahlen und die Wirtschaft noch mehr zu stützen). Die Inflation würde ironischer Weise angefeuert. Die Zinsen steigen weiter, die Verschuldungen werden noch höher, die Edelmetallkurse explodieren, ... .

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