Nun sind wir hier in Ostösterreich also wieder im harten Lockdown, denn - Marketingsprech hin oder her – entsprechen die Maßnahmen denen, die wir seit 16. März 2020 bestens kennen und die bisher als harter Lockdown bezeichnet wurden.

Mir persönlich ist der harte Lockdown egal, ich war nie ein großer Ausgehtyp, Parties waren nie so meins, Urlaube auch nicht und in meiner Unternehmensgruppe habe ich schon vor 20 Jahren begonnen die Digitalisierung voranzutreiben, um alle jeweils verfügbaren Möglichkeiten der Effizienzsteigerung zu nutzen.

Ich sitze hier mit meinem Morgenkaffee bei offenem Fenster zu Hause im Schloß und schaue gemütlich runter in den Park, wo gerade ein paar Raben Körner aus dem schon wieder immer grüner werdenden Gras picken…

Ich frage mich, was die Raben wohl denken werden. Fällt Ihnen auf, dass im Lockdown manches anders ist?

Raben sind weise Tiere, aber dumm sind auch die Füchse und Dachse, die den Schlosspark bewohnen, nicht, ich mag sie, meine Frau und ich nennen den Weg, wo wir immer wieder die kleinen Füchse spielen sehen, sogar Fuchsensteig.

Die Eichhörnchen hingegen sind fleißig, aber nicht sehr schlau, laufen Sie doch am Abend regelmäßig den Füchsen direkt vor die Schnauze, das darauf folgende quietschende Geräusch kenne ich, „Mahlzeit lieber Schlossfuchs“, denke ich dann immer.

Während die Füchse eine klare Rolle in der Natur haben und den Wald von Kadavern säubern, ist mir die biologische Funktion der Eichhörnchen noch nicht klar geworden. Irgendwie kommt es mir vor, dass ihre einzige Aufgabe darin besteht als Nahrungsmittel für die Füchse zu dienen. Ein regionales Nahrungsmittel, das immer vor Ort ist, ein Nahrungsmittel das lebt und daher immer frisch ist, wenn unseren Füchsen danach ist…

In der Welt der Füchse sind die Eichhörnchen die geborenen Opfer…

Die Welt der Menschen ist da nicht ganz so einfach, denn es gibt hier keine geborenen Opfer, sondern nur zum Opfer erzogene oder zum Opfer ausgebildete…

Ich nehme ein Schluck Kaffee und denke an die Eichhörnchen unserer Gesellschaft, die wirklichen Opfer des Lockdowns…

Die Eichhörnchen, das sind all die gut ausgebildeten und fleißigen Unternehmer und Mitarbeiter im Tourismus und in anderen verwandten Berufen, der künstlich geschaffenen – aber von niemand wirklich benötigten - Tourismus-Wirtschaft, denen die Füchse in den letzten Jahrzehnten einfach vergessen hatten zu erzählen, dass sie, die Eichhörnchen, es sein werden, die als erste und wahrscheinlich einzige auf der Strecke bleiben werden, wenn es wieder zu einer Pandemie wie seinerzeit bei der Spanischen Grippe kommen sollte…

Das beantwortet mir auch gleich meine nächste Frage, wer unter Gesamtbetrachtung der ökonomischen und gesundheitlichen Auswirkungen wirklich die vulnerabelste Gruppe in diesen schweren Zeiten ist:

Nicht die Füchse, deren Fell rotbraun und seidig in der Sonne glänzt, nicht die grauen Dachse mit ihren schwarzen Streifen am Rücken, sondern die Eichhörnchen, egal welche Fellfarbe sie tragen…

Dennoch laufen die Eichhörnchen den Füchsen immer wieder direkt vor die Schnauze, egal ob bei Tag oder Nacht. Entweder läuft hier ein biologisches Programm ab, das von Generation zu Generation weitervererbt wird, wie in manchen Familien das Parteibuch, oder die Füchse versprechen den Eichhörnchen in einer mir unbekannten lautlosen Sprache einen Vorteil, den sie dann aber niemals bekommen, weil sie zuvor gefressen werden…

Diese kleine Welt der Tiere im Park funktioniert fast wie das richtige Leben…

Ich trinke den letzten Schluck vom Kaffee, er ist kalt und schmeckt bitter…

Augenblicklich bin ich wieder zurück in meiner Welt, die zwar kalt wie das Eis ist, aber immer gerecht. Ich schließe das Fenster und fahre den Laptop hoch, ich bin gespannt wie die Börsen heute eröffnen werden, schließlich ist es schon 2 Minuten vor 9…

Die bisherigen Teile versäumt? Hier zum Nachlesen