Die in den vergangenen Wochen von einem Machtkampf erschütterte Schweizer Großbank Credit Suisse blickt nach einem guten Start ins Jahr optimistisch auf 2020. "Wir haben über alle Divisionen hinweg einen sehr erfreulichen Jahresauftakt verzeichnet", teilte der Deutsche-Bank-Konkurrent am Donnerstag in Zürich mit. Die Credit Suisse schätzt die Aussichten für 2020 daher vorsichtig optimistisch ein. Daran ändere auch der Ausbruch des Coronavirus vor allem in China nichts.

Der optimistische Blick in die Zukunft half ein Stück weit, die laut dem Banken-Analysten Kian Abouhossein von JPMorgan enttäuschende Entwicklung der Kosten, ausgleichen. So holte der Aktienkurs anfängliche Verluste von rund 3 Prozent weitgehend auf. Zuletzt notierten die Credit-Suisse-Papiere rund ein halbes Prozent im Minus, womit sie sich deutlich besser hielten als die großen europäischen Aktienindizes.

Die bereinigte operative Kostenbasis stieg laut Unternehmensangaben 2019 um drei Prozent auf 16,9 Milliarden Franken. Unter dem Strich verdiente der Finanzkonzern mit 3,4 Milliarden Franken (3,19 Mrd Euro) dennoch fast 70 Prozent mehr als vor einem Jahr, wobei die Bank aber unter anderem auch von einem Beteiligungsverkauf profitierte. Experten hatten mit einem Ergebnis in dieser Größenordnung gerechnet.

Der Nettoertrag zog um etwas mehr als sieben Prozent auf 22,5 Milliarden Franken an. Rückenwind lieferte dabei vor allem die Vermögensverwaltung. Zudem lief es im Kapitalmarktgeschäft zum Jahresende hin besser. Den Aktionäre sollen mit einer Dividendenerhöhung um fast 6 Prozent auf 0,2776 Franken je Anteilsscheine am Geschäftserfolg beteiligt werden. Das steht im Einklang mit dem Unternehmensziel, die Ausschüttung jährlich um mindestens fünf Prozent zu erhöhen.

Beim Ziel einer Rendite auf das materielle Eigenkapital von rund zehn Prozent im Jahr 2020 sieht sich das Unternehmen nun auf Kurs. Die Bank hatte das Ziel erst im Dezember angesichts des anhaltend schwierigen Umfelds mit dem Dauer-Zinstief und strengeren Auflagen gesenkt. Im abgelaufenen Jahr 2019 erreichte das Geldhaus einen Wert von neun Prozent nach nur fünf Prozent im Jahr davor. Und auch bei der harten Kernkapitalquote (CET1) gab es Fortschritte: Sie stieg leicht auf 12,7 Prozent.

Nachdem der Jahresstart 2019 von einem schwierigen Marktumfeld und Zurückhaltung der Kunden geprägt gewesen sei, habe die Ertragsdynamik dank günstigere Marktbedingungen im zweiten und dritten Quartal Fahrt aufgenommen, sagte Konzernchef Tidjane Thiam laut Mitteilung. Der seit Mitte 2015 amtierende und wegen einer Beschattungsaffäre unter Druck stehende Manager wird wie bereits bekannt an diesem Freitag zurücktreten und das Ruder an Thomas Gottstein übergeben. Der ebenfalls in der Kritik stehende Verwaltungsratschef Urs Rohner darf dagegen bleiben.

Vorausgegangen war ein über Monate tobender Machtkampf an der Unternehmensspitze im Zuge eines Skandals um die Überwachung von Spitzenbankern. Thiam betonte bei der Ankündigung seines Rückzuges, dass er keinerlei Kenntnis von der Beschattung zweier ehemaliger Kollegen hatte. Thiams Nachfolger Gottstein ist seit mehr als 20 Jahren bei der Credit Suisse und seit 30 Jahren in der Branche. Er hatte leitende Funktionen im Investmentbanking als auch im Private Banking inne. Zuletzt war er für das Geschäft in der Schweiz verantwortlich.

Anleger hatten die Credit-Suisse-Aktie in der vergangenen Woche nach der Rücktrittsankündigung von Thiam zunächst auf Talfahrt geschickt. Der Kurs hatte sich aber schnell berappelt. Im Vergleich zum Tief nach Thiams Entscheidung summiert sich das Plus mittlerweile auf fast 10 Prozent./mis/zb/nas/jha/

 ISIN  CH0012138530

AXC0184 2020-02-13/12:34

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