Die Zentralbanken hielten 2008/09 in der Kreditkrise die Kapitalmärkte liquide, in dem sie die Zinsen nach unten schleusten und massiv Staatsanleihen aufkauften. Dies hat bis etwa 2011 zur Rettung der Märkte beigetragen und die Wirtschaft florierte wieder. Nun wäre es an der Zeit gewesen, das Rad wieder etwas zurückzudrehen. Doch weit gefehlt! Die EZB finanzierte ihre Mitgliedsstatten durch die Hintertür. Wenn schon Währungshüter Gesetze umgehen. Die Wirtschaft boomte. Den Volkswirten stiegen die Nackenhaare zu Berge. Wer vor den Folgen warnte wurde als Verschwörungstheoretiker abgetan. Auch Europa ließ sich von der wirtschaftlichen Entwicklung einlullen. Sie wachten nicht auf, als die konservativen EZB-Direktoren/innen das Handtuch warfen: Axel Weber und Jürgen Stark in 2011, Jörg Asmussen 2013, Sabine Lautenschläger 2019 und jüngst Jens Weidmann 2021. Er hatte zehn Jahre lang immer wieder zur Mäßigung aufgerufen, aber die EZB ließ sich nicht aufhalten. Auch die FED und BoJ nicht. In fast allen westlichen Ländern (BRD ist die Ausnahme) stieg die Schuldenquote (Schulden zu BIP) über 100 Prozent. Von Japan (266%), über Griechenland (205%), Italien (162 Prozent), Portugal (137 Prozent) bis zur USA (131%).

Letztere sind mit 30 Billionen die Schuldenkönige. Die bedeutet aber, wenn die Zinsen, wie von der FED prognostiziert um zwei Prozent steigen, dass das Haushaltsdefizit um 600 Milliarden steigt. Dann liegen die Schulden der Amis in fünf Jahren schon bei 40 Billionen. Der Zinseszins-Effekt entfaltet sich. Aber nicht nur bei den Amis. Die weltweiten Schulden belaufen sich auf nahezu 300 Billionen. Ein Prozent Zinssteigerung kostet die Welt 2,96 Billionen an Zinsen, drei Prozent höhere Zinsen bedeuten 8,88 Billionen. Wer glaubt bei diesen Zahlen noch immer an die Zinswende?

In 2020 fiel ein erstes Damoklesschwert vom Himmel. Eins, das gar nicht auf der Agenda stand (konnte auch keiner wissen). Die Pandemie brach aus. 2021 fielen dann zwei weitere: Ukraine und Inflation. Auch den Ukraine-Krieg konnte niemand vorhersagen, aber vor der Inflation warnten Fachleute schon lange. Mit der ausufernden Geldmenge, einem weltweit historisch hohen Schuldenberg, bei gleichzeitig niedrigstem Zinsniveau aller Zeiten, ein „perfekter Sturm“ für die Inflation. Schuld waren für die Verantwortlichen natürlich die gerissenen Lieferketten, der Putin, Corona und, und … . Nur nicht ihre falsche Zinspolitik. Draghi wurde sogar 2020 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Heute ist er Präsident von Italien.

Nun fällt noch ein weiteres Schwert. Die Lohn-Preis-Spirale kommt in Gang. Während die Ökonomen glauben, dass die Inflation nur durch eine Rezession zu bremsen ist, glauben die Verursacher der Krise, dass sie das Spagat zwischen Zinserhöhungen und Wirtschaftswachstum schaffen werden. Allein, mir fehlt der Glaube. Auch wenn Zinserhöhungen in homöopathischen Dosen die Gefahr vernebeln, sie lauert latent im Hintergrund. Die Inflationshöhe wird bei vielen die Nachfrage dämpfen, weil diese Konsumenten weniger kaufen können. Andere aber werden die Flucht aus dem Geld antreten und geplante Investitionen vorschieben. Dann wird der Konsum zurückgehen und auch die Gewinne der Unternehmen unter Druck bringen. Es steigt die Gefahr, dass die Vermögenspreise kräftig fallen könnten, was wiederum eine Kreditkrise und damit eine Rezession auslösen kann.

Es ist daher zu befürchten, sollte eine „weiche Landung“ der Wirtschaft die Inflation nicht ausreichend eindämmen, dass die Notenbanken wieder „Gas“ geben, um eine Rezession zu vermeiden. Wieder warnen etliche Institute: zum Beispiel ETH, Zürich, Ifo-Institut, Princeton-University. Aber die Juristin Lagarde träumt noch immer von einer zweiprozentigen Inflation in 2023 und 2024. Man wird lieber eine höhere Inflation in Kauf nehmen, als eine Rezession zu provozieren, zumal eine Schwäche der Wirtschaft nun auch geopolitisch nicht gewünscht ist.

Allerdings werden Mittel zur Stimulation der Wirtschaft überschaubar bleiben. Die Klimainvestitionen und die Militärausgaben haben Vorrang. Hinzu kommen demografische Entwicklung und Fachkräftemängel, der durch die in Rente gehenden Baby-Boomer noch verstärkt wird. Und solange China ihre Corona-Strategie beibehält, sind wirtschaftliche Entspannungen schwierig.

Schwierig ist daher auch die Strategie für den Anleger. Erhöhte Liquidität, Qualitätsaktien mit Dividenden Kontinuität, die in kräftigen Kurskorrekturen auch mal gekauft werden können und einen bis zu 20 prozentigen Anteil in Edelmetallen erscheinen derzeit die beste Aufteilung des Vermögens zu sein. Gold dürfte in der zweiten Jahreshälfte seine bisherige Höchstmarke überspringen und sich in Richtung 2500 US-Dollar aufmachen. Anleger, die in absehbarer Zeit größere Geldbeträge verplant haben, empfiehlt sich, keine Anlagen zu tätigen bzw. die benötigte Liquidität zu schaffen. Alle anderen müssen zumindest die Geduld mitbringen, um diese Zeiten auszusitzen.

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Aus dem Börse Express PDF vom 13.06. hier zum Download

 

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