Geldpolitik: Das böse Erwachen

Auch wenn in die Inflation auch die Energiekrise im Zuge des Ukraine-Krieges und die Nachwehen der Corona-bedingten Lieferkettenstörungen spielen mögen, der Hauptgrund für die hohe Inflation liegt in der Geldpolitik des letzten Jahrzehnts.

Um den Finanzkrisen ab 2008 – Bankenkrise, Staatsschuldenkrise, Eurokrise – Herr zu werden, fuhren die Notenbanken allerorts eine expansive Geldpolitik. Eine Politik, die in Negativzinsen und Ankaufsprogrammen gipfelte. War zunächst allen voran die amerikanische Notenbank FED gezwungen, die Leitzinsen zu senken, mussten auch die anderen Zentralbanken, insbesondere die EZB, ebenfalls die Zinsen senken. Denn nachdem sich der US-Dollar nach Bretton Woods als Leitwährung etabliert hat, wollte man das Wechsel-Verhältnis zum Dollar möglichst beizubehalten.

Als zweite Maßnahme setzten die Banken auf „Quantative Easing“ (QE). Was nichts anderes bedeutet, als dass Geld aus dem Nichts geschaffen, den Geschäftsbanken geliehen und Stützungskäufe von Staatsanleihen und großen Unternehmen („Too Big to Fail“) getätigt wurden. Dieses Quantitative Easing führte zu einem Anschwellen der Geldmenge. Nachdem das geschaffene Geld aber nur in der Finanzwirtschaft wirkte und nicht in der Realwirtschaft ankam, konnte diese von der Finanzspritze nicht profitieren. Aus demselben Grund spürten aber auch die Bürger keine Inflation.

Um die Realwirtschaft anzukurbeln und eine Deflation zu verhindern, überlegte man in den USA ab 2008 immer wieder, jedem Bürger einfach Geld direkt aufs Konto zu überweisen. Dieses „Helikoptergeld“ wurde aber so nicht umgesetzt, wohl auch weil es das Vertrauen der Menschen in die Regierung und die Banken hinterfragen hätte lassen. Dies erfolgte allerdings ein paar Jahre später – nachdem nach einer über zweijährigen Coronakrise die massiven Hilfs- und Unterstützungsprogramme erstmals Geld in den Realmarkt pumpten.  Mittlerweile sind wir nun doch beim Helikoptergeld (= direkte Transferzahlung, wie Klima- und Anti-Teuerungs-Bonus) angekommen. Durch diese Maßnahmen wurde Geld aus dem Nichts geschaffen, welches die Geldmenge enorm aufblähte. Und wenn es von etwas immer mehr gibt, ist die logische Entwicklung, dass der Wert dieser Sache fällt. Das gilt eben auch für Geld.

Von der zögerlichen Zinswende zur aggressiven Zinserhöhung

Die Zentralbanken auf beiden Seiten des Atlantiks versuchen mittlerweile gegenzusteuern, indem sie Leitzinsen erhöhen und ihre Anleihekäufe zurückfahren. Dass man sich aber von der anfangs zögerlich vollzogenen Zinswende hin zu einer recht aggressiven Zinspolitik bewegt hat, zeigt wie ernst die Lage ist und wie verzweifelt die Notenbanken reagieren. Während die Zentralbanken in der Vergangenheit meist Zinsschritte im Bereich von 0,25 Prozentpunkten setzten, lagen die Erhöhungen von FED und EZB zuletzt bei je 0,75 Punkten.

Im laufenden Jahr 2022 hat die US-Notenbank bereits fünfmal den Leitzins erhöht und stellt weitere Anhebungen in Aussicht. Ende September liegt der US-Leitzins damit bei 3,25%. Auch die EZB erhöhte den Leitzins Mitte September um 0,75 Prozentpunkte auf 1,25%, die zweite Anhebung in Folge. Eine Erhöhung des Leitzinses verteuert aber auch immer Kredite, mindert dadurch die Nachfrage und bremst somit die Wirtschaft aus. Weshalb mit Zinserhöhungen auch immer die Gefahr einer Rezession bzw. einer Verschlimmerung einer solchen einhergeht. Und während sich die Wirtschaft der USA bereits im Schrumpfen befindet, sehen beinahe alle Experten auch Europa in den kommenden Monaten in die Rezession rutschen. Die Auswirkungen der Energiekrise tragen dazu zum Niedergang der europäischen Wirtschaft bei.

Warum geht der Goldpreis zurück?

Grund für den stagnierenden bzw. rückläufigen Goldkurs sind aber in erster Linie die Zinsen, mit denen nun die Inflation bekämpft werden soll. Versprechen andere, ähnlich sichere Anlageformen eine Zinsrendite, werden diese für Anleger attraktiver als zinslose Edelmetall-Anlagen.

Als ähnlich „sicherer Hafen“ wie Gold gelten etwa Staatsanleihen von Ländern mit guter Bonität. Weil aktuell die Verzinsung dieser Anleihen steigt - 10-jährige US-Anleihen bringen 3,8%, deutsche Anleihen 2,1% und österreichische Anleihen 2,75% - steigt deren Attraktivität. Die Folge ist eine geringere Nachfrage nach Edelmetallen und somit ein negativer Impuls für den Goldpreis.  

Ein ebenfalls bedeutender Umstand für die Goldpreisentwicklung ist die Positionierung der Leerverkäufe der fünf großen Banken in den USA. Diese werden jede Woche in dem sogenannten COT-Report veröffentlicht.  Diese Leerverkäufe kann man am besten mit Wetten auf eine Kursentwicklung vergleichen. Wobei – als angenehmer Nebeneffekt für diese Big Player – diese Wetten den Goldkurs direkt beeinflussen. Vor allem, seit der Goldpreis nicht mehr durch das London Fixing bestimmt wird, sondern durch den Gold Spot, der aus Angebot & Nachfrage, sowie eben auch aus den Leerverkäufen errechnet wird. Warum die physische Nachfrage bei der Preisbildung dennoch eine untergeordnete Rolle spielt, liegt wohl darin, dass jeder physisch, real vorhandenen Unze rund einhundertvierzig (140 !!!) Unzen in Form von Leerverkäufen gegenüberstehen und den Preis beeinflussen.

Gold: Welche Kursentwicklung ist zu erwarten?

Sollten sich die Zinsen weiter stark steigen, dürfte das den Goldpreis drücken. Der Kurs könnte auf 1500 Dollar oder sogar tiefer fallen. Gleichzeitig könnte der Goldpreis sich aber auch wieder nach oben entwickeln und wieder an den 2000 Dollar pro Feinunze orientieren. Denn viele Analysten halten den jüngsten Ausverkauf bei Gold für übertrieben. Denn wegen des Risikos die Konjunktur damit ganz abzuwürgen und die Rezession abgleiten zu lassen (bzw. diese zu verschlimmern), könnten die Zentralbanken weniger stark an der Zinsschraube drehen als sie gerne würden.
Sobald die Notenbanken bei weiter hohem Inflationsniveau mit weiteren Zinsanhebungen zögern, könnten Anleger schnell wieder Interesse an Gold finden. Weil dank höherer Förderkosten auch die Produktion der Minen zurückgeht könnte dann eine erhöhte Nachfrage schnell zu einem sprunghaften Anstieg beim Goldpreis führen.

Euro-Dollar Wechselwirkung auf den Goldpreis

Für Gold Fans in Europa muss es aber nicht automatisch heißen, dass z.B. der Wiener Philharmoniker automatisch billiger wird, nur weil der Goldpreis fällt. Nachdem Gold in US-Dollar gehandelt und bepreist wird, ist für uns in Europa in Bezug auf den Goldpreis auch wichtig, in welchem Verhältnis der Euro zum USD steht. So ist es sogar möglich, dass der Goldpreis in US-Dollar fällt, während er für Käufer im Euroland gleich bleibt oder sogar noch teurer wird.

Ein Szenario, dass meines Erachtens sogar sehr wahrscheinlich sein könnte, da der europäische Exportmotor, allen voran Deutschland, im Umfeld der Ukraine Krise, der Russland-Sanktionen und den horrend (bis zu 600%!!) gestiegenen Energiekosten, nicht nur ins Stottern, sondern sogar teilweise in den Stillstand geraten könnte.

Kommt noch eine Krise (Die Credit Suisse wankt und droht zu einem neuen Lehman Brothers zu werden) kann in einem Umfeld von wirtschaftlichen und sozialen Unsicherheiten, das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber Staat, Banken und Währung schnell steigen und zu einem Abziehen der Ersparnisse aus dem Geldsystem führen. Dann könnte Gold schnell knapp werden und sich der Goldpreis sogar spalten: In einen Goldpreis an der Börse und einen Preis für physisches Gold, den jemand verlangt, der während hoher Nachfrage noch physisches Gold hat.

“Time in the market beats timing the market.”

Soll ich nun Gold als Anlage kaufen? Ja, vor allem wenn Sie Ihr Goldinvestment als langfristige Anlage betrachten. Denn auch wenn Gold keine Zinsen abwirft, konnte es in der Vergangenheit auf lange Sicht stets die kontinuierliche Geldentwertung auszugleichen.

So ergab eine Analyse der Bloomberg Daten zum Gold, dass das gelbe Metall in den letzten zwanzig Jahren jährlich durchschnittlich 8% Rendite abwarf.  Wir raten daher stets 10-30% des verfügbaren Vermögens zur Inflationsabsicherung in Edelmetallen zu halten. Als kurzfristiges, spekulatives Investment eignen sich Gold und andere Edelmetalle vor allem für Einsteiger aber keinesfalls! Geht der Goldkurs nun zurück kann das eine günstige Möglichkeit zum Einstieg sein, den optimalen Zeitpunkt für den Kauf von Gold zu treffen, bleibt aber schwierig.

Wenn Sie Gold als Sicherheit oder für einen langfristigen Vermögensaufbau kaufen möchten, so raten Experten, immer wieder in regelmäßigen Abständen kleinere Mengen Gold zu erwerben. Mit diesem Kaufverhalten können Sie - ohne ständig den Goldpreis beobachten zu müssen - Kursschwankungen optimal ausgleichen.

Wenn Sie eine persönliche Beratung wünschen, kommen Sie gerne in eine unserer Filialen!

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