Der Krieg um die Ukraine ist nur eine der vielen Baustellen der Weltkonjunktur. Die nur schleppend wieder in Gang kommenden Lieferketten sind eine andere, die Inflation eine der größten, drohende Konflikte im Schatten des heißen Krieges in Europa eine andere. Insofern wäre es keine sonderlich prophetische Leistung, harte Zeiten für die Weltkonjunktur vorherzusagen. Oder anders: Dass es eine Rezession geben wird, ist klar. Nicht aber, wann sie kommt.

Solche Phasen der Unsicherheit sind Gift für die Anleger, für die Märkte. Während einige Indikatoren sich bereits Krisenniveau nähern und Alarm signalisieren, stehen andere noch auf grün und geben den Märkten Unterstützung. Entsprechend suchen auch die Märkte nach Orientierung – und verlieren sich derzeit in wilden Bewegungen ohne Richtung und Dauer.

Für Anleger gilt es jetzt zu überlegen, was das Ziel ihrer Anlagestrategie ist. Gewinnmaximierung scheidet in einer solchen Phase aus. Wer aber ganz aus dem Markt herausgeht lässt womöglich einiges an kurzfristiger Rendite liegen. Entscheidungshilfe mag die Beobachtung geben, dass lange Bärenmärkte eigentlich immer in Rezessionsphasen lagen. Solange es also einen Rest Konjunkturhoffnung gibt, wird es nicht zu einem dauerhaften Marktleid kommen.

Aber: die Geschichte zeigt auch, dass die Abwärtsbewegung an den Märkten selten langsam verläuft. Der Aktienmarkt fällt immer schneller, als er steigt. Wenn also die Konjunktur auf Rezession schaltet, wird der Markt schnell und heftig korrigieren. Darauf sollten Anleger ihre Depots durchaus vorbereiten.

Allerdings gab es auch immer wieder kleinere Zwischen-Rezessionen, kurze Abkühlungsphasen in einem laufenden Konjunkturzyklus. Derzeit kommt es bei der weiteren Entwicklung vor allem auf die Notenbanken an. Schaffen sie es, die Inflation zu bekämpfen, ohne durch zu viel Druck eine Rezession auszulösen, hätten sie ihr Meisterstück gemacht. Doch angesichts des starken Aktionismus der Fed und der Zögerlichkeit der EZB sind eher ein Ausprobieren und Herantasten als ein Handeln mit klarem Ziel zu erkennen.

Für die Märkte kommt also zu den ohnehin bestehenden Unsicherheiten noch das Verhalten der Notenbanken als Risikofaktor hinzu. Denn eines ist klar: sie haben sich in den vergangenen Jahren durch eine ultralockere Geldpolitik in eine Ecke manövriert, aus der die Ausfahrt schwierig ist. Die Zeit zwischen den klaren Trends Aufschwung oder Rezession könnte die Zeit der Notenbanker sein. Doch diese geben keine Richtung vor, schwanken zwischen Konjunkturstützung und Inflationsbekämpfung. Es ist zu hoffen, dass sich diese Spannung irgendwann löst.

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Aus dem Börse Express PDF vom 15.06. hier zum Download

 

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